Nachgefragt. Interview mit Cornelia Heimann, Sekretariat am Seminar für Ethnologie

Eine wichtige Anlaufstelle für Euch als Studierende der Ethnologie ist unser Sekretariat. Dort arbeitet Cornelia Heimann (CH). Bestimmt habt ihr auch schon einmal Kontakt mit ihr gehabt.

Florian Bortic (FB) führte mit ihr ein Interview, in dem sie sich vorstellt und uns Einblicke in ihre Arbeit gibt, damit Ihr trotz der derzeitigen Kontaktbeschränkungen und fehlenden Sprechzeiten einen kleinen  Eindruck von Ihrer Arbeit bekommt.


FB: Liebe Conny, stell dich doch einmal kurz vor.

CH: Mein Name ist Conny Heimann und ich bin neben Manuela Schmidtke eine der beiden Sekretärinnen des Seminars für Ethnologie. Ich arbeite seit Sommer 2005 hier. Das ist schon eine wahnsinnig lange Zeit, kommt mir selbst aber gar nicht so lange vor. Ich glaube, das liegt daran, dass dieser Job hier so vielseitig ist.

Cornelia Heimann, (Foto: Kati Illmann)

FB: Wie sieht denn ein typischer Arbeitstag bei dir aus? Was machst du so?

CH: Das erste ist eigentlich immer der Blick in die E-Mails. Daraus ergibt sich dann mehr oder weniger der Tagesablauf. Der Semesterlauf gibt natürlich die grobe Struktur vor: Im März müssen zum Beispiel immer die Module freigeschaltet werden, sodass die im Sommersemester geöffnet sind. Außerdem müssen die ganzen Veranstaltungen bei StudIP eingestellt werden, Verträge geschlossen werden. Dieser Semesterlauf setzt sich immer weiter fort. Irgendwann müssen die Prüfungen angemeldet und schließlich die Noten im Löwenportal verbucht werden. Diese Routinearbeiten sind relativ gleichmäßig verteilt und füllen das ganze Jahr auf. Dazu kommt dann natürlich noch das Tagesgeschäft: Asta Vonderau und Olaf Zenker entwickeln gerade als Professor:innen der zweiten Generation am SfE spannende Projekte. Für sie erledige ich neben der Administration der Lehrveranstaltung auch die Budgetverwaltung, E-Mail- und Briefverkehr, Kommunikation mit der Universitätsverwaltung, Vorbereitung von Verträgen, Veranstaltungsorganisation, Studierendenanfragen, Verwaltung von Drittmittelgeldern, Beschaffungen und so weiter. Auch für Prof. Schnepel und die Geschäftsführung gilt dies zurzeit, da Manuela leider krankheitsbedingt länger ausfällt.

Dieser Posten hier ist also unheimlich vielseitig, was mir sehr entgegenkommt: Ich hatte nämlich nie ein konkretes Berufsziel vor Augen, sondern war immer eine Suchende. Ich bin auch in einer sehr suchenden Zeit groß geworden. 1992, nach der Wende, habe ich in Wernigerode, also hier in Sachsen-Anhalt Abitur gemacht. Wir waren der erste Jahrgang, der nach der 10. Klasse frei entscheiden konnte, ob man Abitur macht oder nicht. 

FB: Da möchte ich direkt anschließen: Wie bist du denn zu deinem Job hier gekommen?

CH: Über viele Umwege (lacht). Meine ursprüngliche Laufbahn war eigentlich im Handel vorgesehen. Da hat meine ganze Familie gearbeitet. Ich sollte da auch mit einsteigen und die Dynastie sozusagen fortführen (lacht). Dazu kam es aber nicht, weil meine Oma gesagt hat: „Nein, du machst Abitur!“ Das habe ich dann auch gemacht und dadurch eröffneten sich mir ganz neue Wege. So bin ich zum Beispiel im Anschluss nach Liverpool gegangen, wo ich als Au-Pair gearbeitet habe – das waren so die ersten Au-Pair-Generationen, die nach der Wende aufkamen.

FB: Und wie war das für dich?

CH: Liverpool fand ich großartig, vor allem die Sprache. Aus diesem Grund habe ich mich auch für ein Anglistik-Studium entschieden – obwohl ich mich im Abitur-Leistungskurs gar nicht so gut mit der englischen Sprache herumgeschlagen habe. Halle war da, insbesondere von Wernigerode aus gesehen, irgendwie naheliegend. Ich habe gleich eine Freundin aus der Abi-Zeit wiedergetroffen, die auch Anglistik studieren wollte. Wir waren ein gutes Gespann. Allerdings fehlte mir ein Zweitfach. An die Diplom-Anglistik habe ich mich nicht so richtig herangetraut, weil man da Wirtschaft und eine zweite Sprache hätte lernen müssen. Russisch wollte ich allerdings nicht machen und eine andere Sprache hatte ich nie. In der Schule hatten wir Russisch und Englisch, das war’s. Dann habe ich überlegt, was mir noch liegt. Darauf bin ich dann zur Kunstgeschichte gekommen. Also habe ich meinen Magister in Anglistik und Kunstgeschichte begonnen, nach zwei Jahren war die Zwischenprüfung. Das war, vielleicht auch im Vergleich zu heute, ein relativ straffes Studium.

FB: Wie ging es denn nach der Zwischenprüfung weiter?

CH: Nach den zwei Jahren wurde den Diplomanglist*innen ein Austauschjahr in Montana, USA angeboten um dort BWL zu studieren. Die Idee, in die Rocky Mountains zu reisen, fand ich großartig und wollte unbedingt mitfahren. Also habe mich einfach an die drangehängt und war frei, dort alles Mögliche zu belegen: Computerkurse, Fotokurse und ganz tolle Englischkurse über Geschichte und Literatur. Zudem gab es viele Outdoormöglichkeiten. Über Weihnachten war ich zum Beispiel mit dem Outdoor-Center der dortigen Uni in Mexico. Ich habe da also ganz viele neue Sachen gemacht. So ziemlich jede Woche hatte ich den Gedanken: „Never done that.“ Dieses Jahr war grandios, das hat mir wirklich gutgetan. Ins Ausland zu gehen kann ich wirklich jedem nur empfehlen.

FB: Das klingt wirklich sehr spannend! Und wie lief der Rest deines Studiums ab?

CH: Als ich dann wiederkam, zog sich das Hauptstudium doch ein bisschen länger – wie das halt so ist. Danach wusste ich nicht so richtig, was ich jetzt genau mit Anglistik und Kunstgeschichte machen sollte. Auch mein DaF-Zusatzstudium half nicht wirklich weiter. Das war so um 2000, zu der Zeit war der Arbeitsmarkt komplett leergefegt. Mit so einem geisteswissenschaftlichen Studium war kaum etwas zu holen. Die Diplomanglist*innen hatten ein bisschen mehr Glück. Die haben sich weitergebildet und sind dann in irgendwelche Unternehmen als Assistent*in der Geschäftsleitung gegangen. Also habe ich überlegt: Was mache ich denn jetzt? Muss ich jetzt auch in diese Business-Ecke gehen?

Über das Arbeitsamt kam ich dann zu einem Fernstudium – Global Master of Business Administration. Das waren modularisierte und über zwei Jahre laufende Kurse. Das war ziemlich abenteuerlich, denn dieses Fernstudium war mit der National University of San Diego verbunden und lief über Online-Kurse. Bei einer Zeitverschiebung von neun Stunden kannst du dir vermutlich vorstellen, wann wir dann unsere Kurse hatten: Wir saßen zum Teil nachts um zwei Uhr am Rechner. Über einen Online-Chat haben uns die Lehrer*innen auf der anderen Seite dann Fragen gestellt. Das war eine interessante, aber auch recht schräge Art zu studieren. Irgendwann hatte ich also auch diesen Abschluss und dachte mir erneut: Ja, und nun? Leider waren noch immer keine guten Jobs in Sicht.

FB: Aber ich vermute, irgendwann ergab sich etwas.

CH: Ja, genau. Durch einen weiteren Zufall bin ich dann über einen Freund an den Deutschen Bundestag gekommen. Da habe ich von 2002 bis 2005 im Rahmen einer halben Stelle bei einem SPD-Abgeordneten aus Rheinland-Pfalz gearbeitet. Hier bestand meine Tätigkeit eigentlich aus zwei Dingen: Zum einen habe ich als Guide im Reichstag gearbeitet. Der Schwerpunkt lag dabei vor allem auf der im Reichstag hängenden Kunst, der allgemeinen Geschichte des Hauses und natürlich dem parlamentarischen Alltagsgeschehen. Da habe ich regelmäßig große Reisegruppen aus dem Wahlkreis meines Chefs betreut. Die habe ich durch den Reichstag geführt und dabei Vorträge gehalten. Darüber hinaus habe ich noch deren Unterkunft sowie Transport organisiert und mit der jeweiligen Reiseleiter*in ein ganzes Programm gestrickt. Zum anderen habe ich meinem Chef im Petitionsausschuss zugearbeitet. Da musste ich dann immer große Mappen ordnen und vorbereiten, sodass die wesentlichen Petitionsanliegen für ihn schnell erkennbar waren.

Insgesamt war das eine wirklich spannende, aber auch sehr anstrengende Tätigkeit. Da habe ich ganz tiefe Einblicke in die Art und Weise bekommen, wie Politik so funktioniert – eben auch in dieses Alltagsgeschehen. Zum Beispiel war Angela Merkel zu der Zeit ja noch nicht Kanzlerin, sondern Fraktionsvorsitzende. Die hat man dann immer mal in der Kantine getroffen. Dort bestellte sie das Fischgericht ohne Fisch (lacht). Das war so der Running Gag.

FB: Wow, du bist ja richtig herumgekommen! Ganz schön beeindruckend. Wenn das bis 2005 ging, dann müsste jetzt das Seminar für Ethnologie kommen, richtig?

CH: Ja, richtig!

FB: Wie genau kam es denn dazu?

CH: Im Herbst 2004 erhielt ich über eine Freundin die Information, dass die Ethnologie in Halle eine Fremdsprachensekretärin sucht. Darauf habe ich mich dann beworben. Ich wollte ohnehin gerne in Halle bleiben und das ganze Pendeln war irgendwann zu viel. Am Seminar traf ich dann auch erstmals auf Richard Rottenburg. Der hatte einen Fes (orientalischer Hut) auf dem Kopf und lief barfuß durch sein Büro. Er und sein damaliger Kollege Shingo Shimada, haben sich dann mit mir unterhalten. Die wollten mich eigentlich auch prompt hier einstellen, daraus wurde aber erst mal nichts. Der Personalrat hatte nämlich etwas dagegen. Man hielt mich mit meinen zahlreichen Abschlüssen für überqualifiziert. Rottenburg hat dann aber scheinbar ziemlich verhandelt – ich wurde sogar schon zur Weihnachtsfeier 2004 eingeladen und war meiner Sache recht sicher. Jetzt rate mal, wann sie mich tatsächlich eingestellt haben: Zum 01. August 2005. Das hat also nochmal ein gutes halbes Jahr gedauert. Tja, und seitdem bin ich hier.

FB: Und scheinbar hat es dir hier ja auch gefallen.

CH: Ja, das hat es – und tut es immer noch. Vor allem, weil es einfach so abwechslungsreich ist.

FB: Wie liefen denn deine ersten Jahre hier?

CH: Zuerst war ich absolut über den minimalistischen Postaustausch irritiert. In Berlin war ich es gewöhnt, täglich zwei bis drei von diesen gelben Postwannen mit unfassbar viel Lobbypost zu sortieren. Hier war dagegen lediglich eine Handvoll Briefchen in die Postfächer zu legen, damit war ich nach einer Minute fertig (lacht). Hier kam es für mich also erst mal zu einer Entschleunigung. Die hat sich mit der Zeit aber ganz schön aufgehoben, da das Institut peu à peu gewachsen ist. Mit neuem Personal und dem Einwerben zusätzlicher Drittmittel ist die Arbeit von Jahr zu Jahr mehr geworden. Im Rahmen eines solchen Drittmittelprojektes war ich sogar 2007 in Bamako bei einer zehntägigen Tagungsreise. Das war ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.

FB: Was gefällt dir denn am meisten an deiner Tätigkeit?

CH: Sehr viel Freude habe ich an der Betreuung ausländischer Gäste. Das sprengt dann den Büroalltag total, kam in letzter Zeit aber natürlich viel zu kurz. Wir hatten hier schon wirklich tolle Gäste, zum Beispiel Prof. Steven Robins aus Südafrika mit seiner Familie. Für die habe ich dann nicht nur eine Wohnung gesucht, sondern auch einen Kindergartenplatz vermittelt. So etwas mache ich dann auch. Das ist wirklich toll, vor allem weil das auf einer ganz besonderen, zwischenmenschlichen Ebene läuft – die Leute kennenlernen und für ihre Zeit hier begleiten. Außerdem ist es mir ein großes Bedürfnis, dieses Haus zu erhalten. Dafür braucht es jedes Jahr ein paar Sanierungsmaßnahmen, die organisiere ich ebenfalls. Was mir mittlerweile auch ein bisschen fehlt sind die Feste. Wir hatten hier immer sehr schöne Sommerfeste und Weihnachtsfeiern, das fand das letzte Jahr natürlich gar nicht statt. Was wir hier im Seminarraum schon getanzt haben!

FB: Da kann ich dir nur zustimmen. Eine letzte Frage habe ich noch an dich: Was würdest du vor allem den Studierenden raten, die – insbesondere in dieser Zeit – mit dem Studium beginnen?

CH: Ich vermute, dass manche ein sehr romantisches Bild von der Ethnologie haben. Das Kennenlernen anderer Kulturen ist sicherlich nur eine Seite der Medaille. Sehr herausfordernd finde ich z.B. die teilnehmende Beobachtung und die ganzen anderen „Tools“, die hier ausgebildet werden. Einfach ist das nicht. Wenn man das Gefühl hat, im falschen Film zu sitzen, sollte man vielleicht überdenken, ob man das tatsächlich weiter studieren möchte. Ich hätte auch nie gedacht, dass dieser Studiengang so philosophisch und theoretisch ist.

Auf der anderen Seite würde ich den Studierenden – vor allem in der Corona-Zeit – auf den Weg geben, den Kontakt zum Institut zu suchen, also ruhig mal nachzufragen und bei Bedarf anzurufen. Dadurch lassen sich manche Sachen viel schneller aus dem Weg räumen, als über umständliche E-Mails. Auf unserer Homepage gibt es auch jede Menge Hinweise zum Thema Studienberatung. Und man kann und sollte ruhig mal zurückfragen, ob man bestimmte Sachen auch richtig gemacht hat, ehe man Kurse vielleicht verkehrt belegt oder die Funktionsweise der Modulbescheinigungen nicht ganz verstanden hat. Hier wird man immer ein offenes Ohr finden, wir sind alle bemüht, den Studierenden ein vernünftiges Studium zu ermöglichen.

FB: Liebe Conny, vielen Dank für das Interview!